Sonnenstrom statt Kalter Krieg

Uttenreuth

Sonnenstrom statt Kalter Krieg

Für die friedliche Nachnutzung eines brachliegenden Armeegeländes braucht es nur eine innovative Idee. So geschehen in Uttenreuth. Wo früher US-amerikanische Munition lagerte, sorgt seit 2014 ein Sonnenkraftwerk für eine unabhängige Stromversorgung in Bürgerhand.

Es ist der 28. Oktober 2014, als Dieter Emmerich am ersehnten Ziel jahrelanger Bemühungen ist. Denn an diesem Tag erwirbt seine Genossenschaft – die EWERG eG – eine Teilanlage des östlich von Erlangen gelegenen Solarparks Uttenreuth.

Doch einige Hürden mussten überwunden werden, bis es soweit war. Denn dort wo heute PV-Module fleißig Sonnenstrom produzieren, lagerte die US-Armee während des Kalten Kriegs Munition in Betonbunkern. Diese mussten zunächst aufgefüllt und das Gelände eingeebnet werden. Außerdem wird das Gebiet zur Trinkwassergewinnung für die Stadt Erlangen genutzt und beherbergt seltene Tierarten. Es musste also ein Konzept gefunden werden, das mit dem Umweltschutz gut vereinbar ist. Selbst eine aufwendige, bürokratische Eingemeindung nach Uttenreuth war nötig, bevor es endlich losgehen konnte.

Waren die Hindernisse erst erfolgreich aus dem Weg geräumt, ging es jedoch schnell. Es dauerte keine acht Wochen, um die rund 11.500 Solarmodule zu montieren und am 31. Juli 2014 ging die Anlage mit 2.956 Kilowattpeak installierter Leistung ans Netz. Seitdem liefert sie jährlich genug Strom, um über 1.000 Haushalte zu versorgen und dabei jährlich über 1.500 Tonnen an CO2-Emissionen einzusparen. Die Ertragsprognosen werden regelmäßig übererfüllt und so ist eine Erweiterung der Anlage geplant – vielleicht sogar noch dieses Jahr.

Obwohl NATURSTROM bei der Planung und Errichtung die treibende Kraft war, sollten möglichst viele an der Anlage teilhaben – auch in finanzieller Hinsicht. Deshalb wurde sie in 42 Teilanlagen gegliedert, die nach der Fertigstellung von verschiedenen Bürger-Energiegesellschaften erworben werden konnten. Auf diese Weise sind heute über 400 Bürgerinnen und Bürger am PV-Park Uttenreuth beteiligt.

Insgesamt beteiligten sich drei externe Gesellschaften, unter anderem die EWERG eG aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sie übernahm nicht nur 14 Teilanlagen, sondern bietet gemeinsam mit NATURSTROM den regionalen Stromtarif bavariastrom in Erlangen und Erlangen-Höchststadt an. Der Stromtarif bezieht den Strom unter anderem aus der Solaranlage auf dem ehemaligen Militärgelände und ist deutlich günstiger als der örtliche Grundversorger-Stromtarif. Die Genossenschaft ist exklusiver Vertriebspartner und kümmert sich um die Kommunikation vor Ort, während NATURSTROM die energiewirtschaftlichen Prozesse übernimmt.

Eine vertrauensvolle Partnerschaft auf Kaltem Krieg-Gelände, wenn das mal kein sonniges Ende ist!