Die Kunst des ersten Schrittes

Betreibergemeinschaft Umschalten Windstrom Wedel

Die Kunst des ersten Schrittes

Fast 10 Jahre vor der Gründung von NATURSTROM erblickt die Betreibergemeinschaft Umschalten Windstrom Wedel (UWW) im Jahr 1989 in Hamburg-Altona das Licht der Welt. Sie will umweltfreundliche Kraftwerke in und um Hamburg errichten und diese auch selbst betreiben: Ein visionäres Vorhaben und der Anfang der Bürgerenergie in Deutschland.

Eine Bodenluke mitten auf einer idyllischen Wiese in Hamburg Fuhlsbüttel, eine verborgene Treppe, und ein Kellerraum, in dem es brodelt und rumpelt. Was klingt wie der Beginn eines Krimis, ist in Wirklichkeit das einzige Wasserkraftwerk Hamburgs, das jährlich Strom für 200 Haushalte produziert. Rolf Triebel, ohne den es die Turbine an der Fuhlsbütteler Schleuse heute nicht gäbe, zeigt sie mit Freuden. Als Gründungsmitglied der privaten Betreibergemeinschaft des Wasserkraftwerks, Umschalten Windstrom Wedel GmbH & Co. KG (UWW) hat er allen Grund stolz zu sein.

Immerhin gilt die UWW als erste Bürgerenergiegesellschaft Deutschlands und wurde gegründet lange bevor es das EEG gab. Entstanden ist sie aus der Anti-AKW-Bewegung und dem Wunsch, dem Protest gegen die Atomenergie konstruktiv Ausdruck zu verleihen. Eine Gruppe von etwa 20 Personen machte den ersten Schritt und errichtete ein Windrad in direkter Sichtweite zum örtlichen AKW. In den kommenden Jahren folgten weitere Windenergieanlagen und auch ein BHKW.

Das Wasserkraftwerk wurde dann im Jahr 2000 in Angriff genommen. Baukosten in Höhe von 1,8 Millionen Mark mussten dazu aufgetrieben werden. Um die Wirtschaftlichkeit des Projekts zu sichern, gab NATURSTROM eine Förderzusage für 10 Jahre über 3,5 Pfennig je eingespeister Kilowattstunde. Nun konnte die Anlage gebaut werden, und zwar so, dass das ökologische Gefüge der Alster unberührt blieb, denn der Einklang mit Natur- und Umweltschutz war den Betreibern sehr wichtig. So sorgt zum Beispiel ein sogenanntes Fisch-Fluchtrohr dafür, dass Lebewesen im Fluss unbeschadet und ohne große Mühe an der Turbine vorbeischwimmen können.

Heute, knapp 30 Jahre nach Gründung der UWW wird in Deutschland etwa ein Drittel des verbrauchten Stroms durch erneuerbare Energien gedeckt, es gibt mehr als 1.700 Bürgerenergiegesellschaften und etwa 40% aller EE-Anlagen liegen im Eigentum von Bürgerinnen und Bürgern.  Ein Ergebnis, auf das die UWW stolz sein kann – hat sie durch ihr Engagement und Wirken doch den ersten Schritt in dieser Entwicklung gemacht. Nicht übel für „so eine Art Feierabendverein“, wie Triebel die UWW augenzwinkernd nennt.

Leider bereiteten die komplexer gewordenen Rahmenbedingungen und fehlender Nachwuchs der UWW in letzter Kopfschmerzen. 2017 wurde deshalb beschlossen, noch enger mit NATURSTROM zusammenzuarbeiten und die Geschäftsführung der Betreibergemeinschaft abzugeben. „Mit NATURSTROM im Boot wünschen wir uns für die Zukunft, dass durch die Verjüngung und Professionalisierung auch wieder neue Projekte entwickelt werden können“, sagt Triebel.